Das Handbuch für Genießer

Zwischen Steampunk, Spirituosen und Seele: Die Nautilus-Bar in Saarbrücken.

Eine Bar, die keine sein will.

Wenn ein gelernter Patissier seine Leidenschaft für das Handwerk mit einer gehörigen Portion Neugier, Kreativität und Kupferrohren verbindet, entsteht etwas ganz Besonderes – wie die Nautilus-Bar von Ralph Nermerich.

Nermerich ist kein Barkeeper im klassischen Sinn – er ist Tüftler, Handwerker, Gastgeber mit Haltung. Sein Weg führte ihn von der Sterneküche über Franchisesysteme bis in die kreative Freiheit der Selbstständigkeit. Heute betreibt er die Nautilus-Bar in Saarbrücken – eine Bar, die mehr ist als nur ein Ort für Drinks: Sie ist Wohnzimmer, Begegnungsstätte und geschmackliches Labor zugleich.

Steampunk trifft Wohnzimmer

Die Nautilus ist durchdesignt – nicht von Innenarchitekten, sondern vom Chef selbst. Kupferrohre ziehen sich durch den Raum, transportieren Strom, vernetzen Technik – und prägen gleichzeitig die Ästhetik. Die Bar ist von Steampunk-Elementen durchzogen, ohne dabei verkleidet zu wirken. Alles hat Funktion, Bedeutung und eine klare Haltung. „Ich bin Hobbyhandwerker – und das meiste hier ist selbst gebaut. Ich brauche keine Tischlerwerkstatt, sondern Mut zur Idee und ein bisschen handwerkliches Geschick“, sagt Nermerich.

Der Raum ist durchdacht: Keine Stehplätze, kein Tresen zum Herumlungern, keine Rempeleien. Stattdessen gibt es nur Sitzplätze – ganz wie in einem Restaurant. „Hier soll niemand gehetzt trinken. Das ist ein Ort zum Sitzen, Reden, Genießen.“ Musik gibt es – aber nur so laut, dass man sich noch versteht. Die Nautilus ist bewusst kein Partyladen. Eher ein Wohnzimmer mit Baranschluss – für Juristen, Punks, Kreative, Genießer und alle dazwischen.

Cocktails mit Geduld – und Philosophie

In der Nautilus wird nichts „geshaked“, nur um des Spektakels willen. Manche Cocktails brauchen Tage, bis sie fertig sind. Nermerich beschreibt seine Arbeitsweise als kulinarisch – und tatsächlich erinnern viele seiner Kreationen eher an Küchenprozesse als an klassische Barkunst.

Da wird Bacon ausgelassen, Bourbon darauf angesetzt, tagelang bei Raumtemperatur gelagert, eingefroren, gefiltert. Safran wird in weißer Schokolade gelöst, um die Aromen zu binden. Pina Coladas werden mit Milch geklärt, um eine kristallklare, aber vollmundige Version zu schaffen. „Ich denke Cocktails wie ein Koch – sie müssen immer gleich schmecken, unabhängig vom Tag oder Personal. Geschmack ohne Zufall.“

Diesen Anspruch bringt Nermerich inzwischen auch in die Gastronomie: Er liefert vorproduzierte Cocktails an andere Betriebe, die diese einfach auf Eis zapfen – immer gleichbleibend, ohne Barkeeper, aber mit voller Aromatik. „Wie ein Mini-Franchise – aber ohne Gebühren, ohne Verpflichtungen.“

Beratung statt Barkarte

Viele Gäste verstehen die Karte nicht – und das ist Teil des Plans. Denn die Nautilus setzt auf persönliche Beratung statt plumper Getränkelisten. „Ich setze mich an den Tisch, frage, in welche Richtung es gehen soll – und finde dann was Passendes. Das braucht ein paar Minuten – aber es lohnt sich.“

Wer tiefer eintauchen will, kann das beim sogenannten „betreuten Trinken“ tun – ein Tasting, bei dem Nermerich kleine Gruppen durch die Welt von Rum, Whisky oder ungewöhnlichen Cocktails führt. Ganz ohne PowerPoint, aber mit viel Wissen, Humor und Gefühl. „Ich nenne es betreutes Trinken – weil ich begleite. Aber die Leute sollen sich auch einfach unterhalten und Spaß haben.“

Verbindungen statt Verkäufe

Was bleibt, ist nicht nur ein guter Drink – sondern ein Gefühl. Nermerich beschreibt seine Bar als Ort für Verbindungen. Freundschaften entstehen, Pärchen lernen sich kennen, Ideen werden geboren. „Ich hatte Leute, die sich hier kennengelernt und später gemeinsam ein Musikprojekt gestartet haben. Oder Gäste, die am nächsten Tag zusammen frühstücken waren. Das ist das, was für mich zählt.“

Die Nautilus hat dabei keinen klassischen Öffnungsrhythmus – sondern lebt im Takt ihrer Gäste. Mal geht’s unter der Woche bis Mitternacht, mal sitzt man bis zwei Uhr morgens zusammen. „Ich bin fast immer selbst da – unter der Woche alleine, am Wochenende mit Aushilfe. Ich mache die Produktionen, setze an, berate, bin Gastgeber.“

Was kommt? Und was bleibt.

Auch wenn Nermerich regelmäßig über Umbauten nachdenkt – eine zweite Bar oder ein weiteres Konzept ist ausgeschlossen. „Expansion ist nicht mein Ding. Die Nautilus funktioniert nur durch die persönliche Bindung. Und das geht nicht doppelt.“ Was aber wächst, ist die Idee des vorgefertigten Cocktailsystems für andere Gastronomiebetriebe. Inklusive Technik, Service und Support – aber eben ohne großes Brimborium.

Trotz allem bleibt der Blick realistisch. Die Gastrobranche kämpft, viele Betriebe müssen Coronahilfen zurückzahlen, das Konsumverhalten verändert sich. Aber Nermerich glaubt an Qualität, Klarheit – und an seine Community. Und die wächst.

Location

Nautilus Bar, Försterstraße 17, 66111 Saarbrücken

Link

https://www.instagram.com/nautilus.bar.sb

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